Kuh- oder Sojamilch? Sind die (beide) überhaupt gesund?

Milk green
Was vor vielen Jahren noch als Spinnerei von `Körnerfressern´ abgehandelt wurde, ist heute aus den Supermärkten nicht mehr wegzudenken: Soja! Lange Zeit galt Soja als mehr oder minder fauler Kompromiss für Menschen, die auf tierische Produkte verzichten wollten oder mussten. Mit dem Aufkommen dieser pflanzlichen Alternative zu Kuhmilch-Produkten folgten auch die Bedenken, was die gesundheitlichen Nutzen oder Gefahren angeht, da wurden z.B. die Genmanipulation der Sojapflanze oder die möglicherweise hormonelle Wirkung der Phyto-Östrogene genannt.
Heute ist Soja etabliert und in weiten Teilen rehabilitiert, Kuhmilch andererseits ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Das Kalzium in Kuhmilch ist nicht so notwendig wie immer gedacht, es hilft keinesfalls, vor Osteoporose zu schützen (ganz im Gegenteil, Studien behaupten, dass durch das Kalzium in der Milch zu mehr Knochenbrüchen führt)….also, macht´s die Milch nun oder nicht? Ich möchte mal einen genaueren Blick auf beide Variaten – und vor allem ihre Nutzbarkeit – werfen.

Der tierische Klassiker

Da wäre das Kalzium, immer wieder zuerst genannt, wenn es um Milch geht. Sicherlich enthält Kuhmilch gute Mengen des für das Wachstum (besonders der Knochen) wichtigen Kalziums. Aber eine neue Studie aus Schweden demonstrierte, dass Kuhmilch sogar mehr Knochenbrüche und eine höhere Sterblichkeit zur Folge hatte. In Ländern mit hohem Milchkonsum ist auch die Rate an Osteoporose-Erkrankungen am höchsten und umgekehrt. Für Vegetarier und Veganer interessant: Auch verschiedene pflanzliche Lebensmittel enthalten Kalzium, wie z.B. Grünzeug (Brokkoli, Salat, Kohl), Nüsse (Mandeln, Kürbiskerne) und Obst (Feigen, Orangen) und die Stabilität der Knochen lässt sich mit regelmäßigem Sport positiv beeinflussen.
Ein weiterer Pluspunkt für Kuhmilch ist der Gehalt an Vitamin B12, ein für Blut- und Zellbildung wichtiges Vitamin, mit dem Sojamilch nicht dienen kann.
In Sachen Makronährstoffe hat Milch so einiges an Protein zu bieten und beim Fettgehalt kann man sogar wählen.
Ökologisch gesehen wird Milch jedoch immer problematischer, wie ich persönlich finde. Stichworte: Massentierhaltung, hormonell und mit Antibiotika behandelte Tiere.

Die tolle Bohne

Und warum ausgerechnet Soja? Wer schon einmal Tofu probiert hat, weiß, dass Soja mitunter eigenwillige Formen und Geschmäcker annehmen kann. Meins ist das ehrlich gesagt nicht. Nichtsdestotrotz ist die Sojabohne ein Hansdampf in allen Gassen. Sojajoghurt z.B. kommt in seinen vielfältig aromatisierten Varianten den klassischen Molkereiprodukten schon sehr nahe (besser noch, ihr packt frische Früchte der Saison und eine Zuckeralternative wie Agave oder Kokosblüte selbst hinein). Zusätzlich lässt sich die Milchalternative aus Soja hervorragend in der Küche verarbeiten – es gibt fast nichts, was es nicht gibt.
Auch auf gesundheitlicher Seite hat Soja sehr viel zu bieten: einen hohen Eiweißgehalt, einen geringeren Anteil an Fett als Vollmilch (2,2 vs. 3,5 %), Folsäure, Saponine und Flavonoide, dafür mangelt es an Cholesterin, Lactose (und leider auch Vitamin B12). All das macht Soja zu einem Nahrungsmittel mit tollen Möglichkeiten. Doch möchte ich auch die Kritikpunkte nicht außer Acht lassen. Zu meinen journalistischen Zeiten für eine Bodybuilding-Zeitschrift gab es vor vielen Jahren, als Soja seinen Siegeszug in die Küchen erst zaghaft begann, lautstarke Kritikpunkte, wenn nicht sogar Warnungen. Männer (speziell Athleten, die an ihrer Muskulatur arbeiteten) sollten sich tunlichst aufpassen, es mit dem Sojakonsum nicht zu übertreiben, weil die Phyto-Östrogene der hart erarbeiteten Muskulatur gefährlich auf den Pelz rücken und die weiblichen Vorzüge im Menschen betonen würden. Auch die Gefahr für die Manneskraft wird immer wieder hervorgehoben. Und auch wenn es im Laufe der Jahre und dank vermehrter Studien inzwischen Entwarnung gab, wird weiterhin vor einem übermäßigen Konsum im Kindesalter gewarnt und Kritik kommt immer wieder auf.

Aber Soja ist doch genmanipuliert, oder? Das ist doch nicht gesund…

Das stimmt, doch gilt zu bedenken, dass der Anbau von gentechnisch manipuliertem Soja in der EU verboten ist (Vorsicht, liebe Briten!). Dennoch kommt hier ein weiteres, fast makaberes ABER: Laut Studie des WWF enthalten 80 % der Lebensmittel von Tieren, die auf unserem Teller landen, Gentechnik, da die Tiere mit diesem veränderten Futtermittel gefüttert werden (zumeist importiert aus Südamerika). Echt makaber, da doch meist Vegetarier und Veganer als „Sojafresser“ verleumdet werden. Demnach ist auch hier BIO wieder die bessere Wahl, obwohl tiefgreifende Studien zu den Gesundheitschäden von Gentechnik im Bereich Soja noch kein endgültiges Urteil gefällt haben. Aber auch ökologisch gesehen gilt es den Sojakonsum zu überdenken. Wird weniger Fleisch gegessen, wird weniger Futtermittel genötigt und weniger Soja eingesetzt. Sojaplantagen sind reine Monokultur, Wälder und Savannen müssen (zumeist in Südamerika) dem Anbau Platz machen und Gewässer sind durch den massiven Einsatz von Düngern und Pestiziden (Monsanto!?) stark verschmutzt. What goes around, comes around!
Mein Fazit: Unter dem Strich ist es eine Entscheidung, die von gesundheitlich Aspekten, geschmacklichen Vorlieben und dem eigenen ökologischen Gewissen geprägt ist (sicher spielt der Geldbeutel auch eine Rolle, bio ist halt immer noch erheblich teurer). Am besten probiert ihr euch mal durch alle Sorten durch. Ich persönlich mag nach wie vor den Geschmack von leckerer Weidemilch oder Rohmilch vom Käsehof, aber auch Mandelmilch, Sojajoghurt und Kokosmilch in vielen Varianten sind eine tolle Sache.
Wie haltet ihr es mit dem Milchkonsum? Habt ihr schon eure Lieblings-Variante gefunden? Schreibt mir mit Kommentaren, Tipps und Tricks!
Sojapflanze

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Post by Claudia

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