Lernen wir eigentlich nichts dazu….oder wer trifft wirklich Entscheidungen?

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Vor zwei Tagen schwappte auch zu uns eine Nachricht, die bei mir so einige Denkprozesse in Gang gesetzt hat. Die US-amerikanische Lebensmittelbehörde möchte den Kaloriengehalt auf Nahrungsmittel drucken lassen. Prima, mag da der eine oder andere Weight Watchers-Fan denken, da wird das Abnehmen doch gleich viel leichter.

 

Mir jedoch ist das irgendwie sauer aufgestoßen. Als Ernährungsberaterin ist der Kaloriengehalt als reine Summe beim Essen nicht mehr als eine der Zahlen, die man berücksichtigen kann. Zur Erklärung: Eine Kalorie (korrekt: Kilokalorie) ist der Brennwertgehalt in der Nahrung und sagt ganz vereinfacht aus, wie viel dein Körper arbeiten und deinen inneren Brennofen (Verdauungssystem) anheizen muss, um die Nährstoffe entsprechend zu verarbeiten. Kalorien sind Wärme, u.a. ein Grund dafür, warum Menschen mit großem Hunger oder Unterernährung selten über Hitzewallungen klagen. Der Körper kann schlicht keine Wärme produzieren, weil ihm das Brennmaterial fehlt.

 

Auf der ganz banalen Ebene des Gewichtsmanagements gesehen (worauf diese amerikanische Maßnahme abzuzielen scheint, Stichwort: Obesity Epidemic) geht es – so viel sei dem Sinn und Zweck der Änderung geschuldet – beim Abnehmen darum, eine negative Energiebilanz zu erzeugen. Im Klartext: Willst du abnehmen, musst du mehr Kalorien verbrauchen als du zu dir nimmst.

 

Na also, dann ist damit doch alles viel einfacher, oder? Kann sein. Angenommen, du hast einen Grundumsatz von 1.600 Kalorien, verbrauchst durch tägliche Aktivität noch weitere 500 Kalorien, dann musst du nur 1.800 Kalorien pro Tag konsumieren und wirst wunderbar abnehmen. Diese 1.800 Kalorien teilst du dann auf drei Mahlzeiten und 2 Snacks auf und alles läuft wie von selbst.

Was aber passiert, wenn du dich nun auf die Kalorienangabe auf der Verpackung verlässt? Heißt das, zwei Weißmehl-Brötchen mit Marmelade zum Frühstück (500 Kalorien, Angaben zum Verständnis stark vereinfacht), Pommes rot/weiß (800 Kalorien) zum Mittag und eine halbe Tüte Chips (300 Kalorien) am Abend? Und im Sommer dann die Traum-Bikinifigur?

Ich habe da so meine Zweifel?

 

Und wie steht es mit dem Gesundheitsaspekt? Mir ist bewusst, dass es einen 20-jährigen Instagram-Fan nur wenig kümmert, wie die Model-Maße zustande kommen. Eine Tatsache, die sich durch Krankheit, Stress und Älterwerden ganz schnell ändern kann (Erkrankungen aufgrund von Nahrungsmittel-Thematiken sind übrigens auf dem Vormarsch und längst nicht alle Glutenintoleranzen frei erfunden oder eingebildet).

Die Kalorienmenge sagt nämlich nichts aus über die Zusammensetzung der Nahrung, sprich die Aufteilung der Kalorien auf die einzelnen Nährstoffgruppen. Da gibt es zum einen die „Makros”, wie Kohlenhydrate, Protein und Fett, auf der anderen Seite die „Mikros”, wie Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe. Sie entscheiden nicht nur über den gesundheitlichen Nutzen der Nahrung, sondern auch die dickmachende Wirkung. So kann eine gesunde, ausgewogene Mahlzeit durchaus mehr Kalorien enthalten als die einseitige Alternative, im reinen Zahlenspiel damit also wesentlich schlechter abschneiden.

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Unter diesen Gesichtspunkten muss man die Maßnahme der US-Behörde also gemischt betrachten. Zum einen eine hilfreiche Krücke für Menschen, die ernährungsbewusster werden und sind, zum anderen der halbherzige Versuch, der Lobby der Nahrungshersteller und Pharmazie nicht zu sehr auf die Füße zu treten. Wäre schön, wenn sich mal jemand trauen würde, den ganzen Weg zu gehen und unsere Nahrung wieder mit dem Aspekt Gesundheit und Krankheitsprävention in Verbindung zu bringen. Schließlich ist Nahrung – ebenso wie Bewegung – Medizin.

 

In dem Sinne: Bleib immer offen für das Aufdecken von Tricks der Verbrauchermanipulation und setze deine Gesundheit an oberste Stelle deiner Prioritätenliste. Gesund ist übrigens auch lecker, oder wie siehst du das?

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