Muss man sich das wirklich antun? Oder…

Tough Mudder Swings…der Sinn und Zweck von Herausforderungen.

Tough auf jeden Fall

Mit großer Zuversicht und gelöster Handbremse habe ich Anfang des Jahres verkündigt, dies werde mein Laufjahr. Dann kam eine für meinen Geschmack zu große Dosis Realität und holte mich nicht nur runter auf den harten Boden, sondern schickte mich direkt eine Etage tiefer. Bei der Routine-Untersuchung im März wurde ein weiteres Hirn-Aneurysma entdeckt und diese Diagnose warf nicht nur viele neue Fragen auf, sondern setzte auch eine wahre Negativ-Schraube in Gang, die so schnell nicht mehr zu stoppen war.

Der Blutdruck war plötzlich fast außer Kontrolle, ständig – trotz Medikamentengabe – zu hoch, der Besuch beim Kardiologen setzte auch noch eins drauf: Die linke Herzkammer ist schon verändert, d.h. in Mitleidenschaft gezogen. Was macht man also, wenn der Lebensweg so oder so schon brav den gesunden Schildern folgt? Ich konnte mich nicht damit beschäftigen, Kurse für Raucherentwöhnung zu suchen. Ich konnte nicht jammern, weil ich nun auf mein abendliches Glas Wein verzichten musste. Ich konnte nicht dem inneren Schweinehund den Kampf ansagen, um regelmäßig Sport zu treiben. Ich war schon auf dem BESTMÖGLICHEN Weg in Sachen Gesundheit. Um es kurz zu machen: Der Boden tut es sich erstmal auf und verschluckt dich.

Unerwartete Schützenhilfe

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet mein Schlaganfall mir jetzt mal einen guten Dienst erweisen würde. Da ich diesen Hammer mit relativ geringen Kollateralschäden überstanden (und durchgestanden) hatte, war dieser Funke, der mich nicht aufgeben lässt, einfach nicht zu ersticken. Die Anmeldung zum Tough Mudder hatte ich im Januar abgeschickt, aber der mentale Weg war jetzt steiniger und einsamer als je zuvor. Obendrauf noch mindestens zwei Fachärzte, die mir rieten, kürzer zu treten, mich nicht zu überanstrengen, keine Gewichte zu stemmen. Hä…ich? Gesundheitscoach, Personal Trainer, Bewegungsfanatiker…auf die Nordic Walking Reservebank verbannt? Moment! Da war doch noch mein behandelnder Professor in Stuttgart, der mir grünes Licht für einen aktiven, glücklichen und abwechslungsreichen Alltag gegeben hat. Noch ein bisschen mehr in die Waagschale gelegt und wir haben Gleichstand. Mit Hilfe meines Bruders (tausend Dank nochmal) fand ich Erlösung in Essen, der dortige Chefarzt vertrat eine ähnliche Haltung und riet mir, mein Leben zu genießen und meinen aktiven Lebensstil weiterzuführen. Handbremse gelöst!

Harte und schmerzhafte Lektion

Wenn man sich die Teilnehmer beim Tough Mudder anschaut, ist man zunächst einmal nicht eingeschüchtert. Klar, viele athletisch aussehende, junge Leute (zum Teil mit Personal Training T-Shirts, die diesen Eindruck noch unterstreichen), aber auch genauso viele nur durchschnittlich sportlich wirkende Personen…und eine Muddi (pun intended!), die sich nach Stroke und zwei Fremdkörpern im Hirn nicht unterkriegen lassen will.

Und genau jetzt kommt der entscheidende Punkt für mich persönlich. Klar, nach 1,5 Wochen Regen bekommt das Wort Mudder (mud = schlamm) schon fast eine neue Bedeutung und der Teamgeist, das gegenseitige Helfen und die Riesensauerei sind eine Mischung aus Kinderspielplatz ohne Matschhose und Army-Drill nach Mistwetter. Und doch, liebe Leute, das war mal echt kein Spaziergang. Steigungen (gefühlt senkrecht), Wald-Aufstiege ohne jeglichen Halt, zum größten Teil knöcheltief im Dreck, das Ganze über 16,5 km und dann von Zeit zu Zeit noch die „kleinen“ Hindernisse…es ist weitaus mehr als nur Spaß.

Therapeutischer Wert?

Die Anforderungen an die eigene physische Stärke sind durchschnittlich (viele Hindernisse sind ohne Teamwork und Hilfe eh nicht allein zu bewältigen) bis hart (80 kg-Männer auf den Schultern?), Ausdauer wird beim Laufen aufgrund des Terrain-Zustands kaum abverlangt, der Parcour ist rein körperlich also machbar. ABER: Packt man obendrauf die Überwindung, dies es kostet, in Eiswasser zu springen, im Matsch unterzutauchen, mit Vollgas auf eine Steilwand zu rennen und sich auf eine fremde Hand zu verlassen, sowie die Tatsache, dass es an die Nerven geht, wenn man bei 14 Grad die ganzen Kilometer klitschnass läuft/geht und den Schmerz, wenn man, wie ich, bei Kilometer 5 so böse umknickt, dass die Bänder vom Knie bis zum Sprunggelenk gezerrt sind….

Es war auf jeden Fall eine Herausforderung, ein Kampf gegen und ein Verschieben der eigenen Grenzen. Es war schmerzhaft – besonders jetzt, da ich wie die gefleckte Milka-Kuh aussehe -, es war viel Spaß und es war lohnenswert. Einfach mal machen!

Mehr Infos und noch mehr Bilder könnt ihr hier finden: Tough Mudder.

Tough Mudder Pyramide

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Post by Claudia

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