Verloren im Fitness-Studio? Oder die Erkenntnis, dass sich nichts geändert hat.

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Ach, damals…

Ich hatte meine  „Glanzzeit“ im Fitness-Studio in den 1990er und 2000er Jahren (jetzt mal bloß nicht nachrechnen, wie alt ich schon bin…), habe mit wirklich toughen und faszinierenden Amateur- und Profi-Athleten trainiert und gesprochen (Terminator himself!). Damals fingen nicht nur die Preise für Mitgliedschaften an, in teils unrealistische Höhen zu schießen, auch die Anzahl an kommerziellen Ketten-Betrieben stieg, was die Qualität und Kompetenz der Trainer häufig proportional in die andere Richtung schickte.

Und heute…?

In gereifterem Alter und als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern kam ich in den Genuss des Heimtrainings und wurde ein großer Fan von Tabata, HIIT, Functional Training und allem, was schnell und intensiv ist und sich mit einem Sandbag, Widerstandsbändern, Glidern, Bällen und einigen Kettlebells zuhause oder auf der Tartanbahn machen lässt.

Doch nach meinem nunmehr (mit Unterbrechungen) fast 10-jährigen Gym-Sabbatical konnte ich nicht widerstehen und bin dem Ruf der Beinpresse gefolgt. Okay, der sensationell niedrige Monatspreis und die dennoch hervorragende Ausstattung (Hammer Strength anyone?) riefen ganz laut mit. Und auch wenn es mir Spaß macht, 1-2mal pro Woche wieder mit den alten Vertrauten Lang- und Kurzhantel zu trainieren und mich an TRX, Battle Ropes und Wall Ball zu versuchen – was in den eigenen vier Wänden doch begrenzt möglich ist -, bin ich zum Teil ernüchtert, wie wenig sich einige Dinge geändert haben.

Komfortzone

Meine erste Enttäuschung waren die jungen Frauen, die heute mit Smartphone (früher war es eine Frauenzeitschrift) gebückt über oder auf dem Stepper/elliptischen Trainer, man muss fast sagen, hocken oder hängen und lustlos, scheinbar wie in Zeitlupe ihre Minuten abreißen, bis das Display einen ausreichenden Kalorienverbrauch anzeigt. Das ist kein Sport, das ist kein Workout, das ist minimal ergebnisorientierter Zeitvertreib…und noch weit inmitten der Komfortzone.

Trainer oder Studentenjob?

Was mir weiter aufgefallen ist, betrifft das Alter und die Kompetenz der Mitarbeiter (siehe oben). Super nett und gut gelaunt, haben sie das 20. Lebensjahr gerade so vollendet. Der Ausbildungsstand? Nun, ich möchte und darf nicht pauschalisieren, aber nach einem Gespräch, in dem eben diese Anwärter kurz vor ihrer Abschlussprüfung diskutierten, was denn nun Bizeps und was Trizeps sei (hallo, Abschlussprüfung!), musste ich doch kräftig schlucken. Schon vor 20 Jahren waren Freizeitsportler, die aus Unerfahrenheit und Wissensmangel ihrem Körper mehr Schaden zufügten als ihm Gutes zu tun, an der Tagesordnung, zusammen mit Trainern, die sich entweder nicht die Mühe machten, Technikfehler zu korrigieren, oder schlichtweg nicht das Knowhow zur schadensfreien Unterweisung besaßen.

An diesem Bild hat sich leider nichts geändert: Trainer mit zu geringer Erfahrung und einem mangelhaften Ausbildungsstand lassen unerfahrene und unsportliche Menschen jeden Fitnessniveaus und Alters auf ihre Maschinen los.

Auch wenn mir bewusst ist, dass ein wirtschaftliches Interesse keine ausreichende Menge an fundiert ausgebildeten Trainern mit genügender Kunden- und Selbsterfahrung bei gleichzeitigem Preisdumping von unter 20 Euro im Monat zulässt, wäre ein Umdenken der Branche wünschenswert. Geht es doch schließlich um unsere Gesundheit und den einzigen Ort, an dem wir leben müssen.

Good Vibes

Um diesen Post aber nicht negativ behaftet zu beenden, möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass mein Erwachen aus dem Studio-Winterschlaf auch schöne Aha-Momente hat. Zum einen begrüße ich es sehr, dass der Trend zum Functional Training Berücksichtigung findet (und dieser auch umgesetzt wird). Zum anderen ist mir eine wachsende Anzahl an freien Personal Trainern aufgefallen, die zumindest rein optisch dem Anspruch Erfahrung und Kompetenz zu entsprechen scheinen. Des Weiteren konnte ich mit Freude bemerken, dass sich viele Frauen an die Gewichte trauen. War man vor 20 Jahren noch ein seltener Anblick an einem Kniebeugenständer, hat sich hier viel getan…Frauen ohne Angst vor dem Eisen.

Also raus aus der Komfortzone, runter vom Stepper und rein ins Workout. Denn in gebührendem Abstand zur Bequemlichkeit warten die Belohnungen. Welche, das könnt ihr hier (Hilfe, ich komme in Form) nachlesen.

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Post by Claudia

2 Responses to Verloren im Fitness-Studio? Oder die Erkenntnis, dass sich nichts geändert hat.

  1. Super Artikel, ich erkenne mich glatt wieder. Aber auch ich traue mich mittlerweile an die Gewichte und trainiere einfach mit einer tolle, effektiven App. Die Trainer gehören leider auch zu der Generation 20+, und so wird jeder Frau der gleiche Trainingsplan aufs Auge gedrückt ohne auf die Ziele einzugehen. Mangelnde Vorkenntnisse werden mit Gewichtsregulierung überspielt. Aber: selbst ist die Frau 🙂

    • Das freut mich, Katrin. Schön zu hören, dass du deine Gesundheit und Fitness selbst in die Hand nimmst. Ich wünsche dir auf deinem Weg viel Erfolg und jede Menge Spaß!
      Viele Grüße, Claudia

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